Anne Böhm

 

Mein Vater war fotografiebegeistert und dass er viel Zeit für die Auswahl des richtigen Bildausschnitts brauchte oder für das Warten auf's richtige Licht, auf die Wolke, die sich vor die Sonne schieben sollte oder eben bitte zu verschwinden hatte, brachte meine Mutter regelmäßig zur Weißglut. Er versäumte mit seiner Methode nämlich, die unwiederbringlichen, flüchtigen Momente, die emotionalen Augenblicke, geschwind einzufangen. Meine Mutter besorgte sich schließlich eine vollautomatische Ritsch-Ratsch-Kamera mit der sie beispielsweise lustiges Faschingstreiben - gerne auch mit abgeschnittenen Köpfen und / oder Füßen - fotografierte, und der Familienfrieden war wiederhergestellt.
So habe ich von Kindesbeinen an gelernt, dass das als Hobby ausgeführte Fotografieren sowohl langsam und mit Bedacht, als auch ziemlich hurtig vonstatten gehen kann.
In meiner Fotografie macht sich diese ambivalente Prägung bis heute bemerkbar. Ich versäume häufig, den Bildausschnitt mit Bedacht zu wählen und bin zu ungeduldig, um auf das  richtige Licht zu warten. Hingegen brauche ich sehr viel Zeit und bringe meine Mitmenschen zur Weißglut, wenn ich einen Schnappschuss machen möchte und sie trotz meiner ausführlichen Instruktion auch nach dem vierten Take nicht den passenden emotionalen Ausdruck zeigen.

Meine Kamera ist aber ganz okay.